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2026 Landkreisfahrt Tour 3 - onTour – wir reisen, wandern, radeln..

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„Tour 3: Wo selbst Karl IV. gern mitg’fahrn wär!“ 🚍👑
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Bild zeigt einen Reisebus
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Einmal USA und zurück – mitten im Landkreis

Eine Expedition durch unsere Heimat – und eine Entdeckung nach der anderen. Gotische Kirchen, ein weißer Berg aus Kaolin, eine amerikanische Kleinstadt mitten in der Oberpfalz und eine besondere Quelle, die nicht viele zu Gesicht bekommen.

Ein prall gefüllter Bus, eine gut gelaunte Runde und eine Gästeführerin, die genau weiß, wo die Oberpfalz ihre Geheimnisse versteckt. Was könnte schiefgehen? Nichts. Und genau so war es auch: Am 24. April startete unsere 3. Heimat-Expedition.

"Man muss nicht weit fahren, um staunen zu lernen. Manchmal reicht der Nachbarlandkreis."

Station 01  —  Hahnbach
Gotik im Morgenlicht – St. Jakobus öffnet ihre Tore

Erste Station: die Pfarrkirche St. Jakobus in Hahnbach – eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche, erbaut im Jahr 1426. Conni Platz führte uns durch ein Gotteshaus, das als eines der bedeutendsten gotischen Kirchenbauwerke der gesamten Region gilt. Wer hier eintritt, spürt sofort: Diese Mauern tragen Jahrhunderte.
Das eigentliche Herzstück verbirgt sich hinter dem Hochaltar: sechs Fresken, entstanden zwischen etwa 1450 und 1500. Sie leuchten in einer Farbigkeit, die man nach 600 Jahren kaum noch erwartet – Szenen, die Glaube, Alltag und Zeitgeist des Spätmittelalters in einem erzählen.

Station 02  —  Hirschau
Der weiße Riese – Kaolin, Geld und ein Berg aus dem Nichts

Weiter nach Hirschau, die Kaolinstadt, deren Identität vom reinweißen Gestein geprägt ist, das hier seit Generationen abgebaut wird. Zunächst ein Blick auf den historischen Marktplatz. Dort steht der markante Monte Hirschschau Brunnen mit zwei lebensgroßen vergoldeten Hirschfiguren.

Dann der eigentliche Star: der Monte Kaolino. Wer ihn zum ersten Mal sieht, traut seinen Augen kaum. Mitten in der grünen Hügellandschaft erhob sich einst ein schneeweißer Berg, heute teilweise bewachsen, aufgeschüttet aus dem Abraum des Kaolin Tagebaus. Inzwischen ist er Wintersportanlage, Freizeitparadies und Wahrzeichen zugleich. Direkt daneben: der Blick in die aktiven Abbaufelder, deren Dimensionen erst aus der Nähe wirklich begreifbar werden.

Ein Industriestandort, der aus seiner eigenen Geschichte eine Attraktion gemacht hat – das ist oberpfälzischer Pragmatismus in Reinkultur.

Station 03  —  Burg Dagestein & Vilseck
Steinerne Zeugen – Mittag mit Geschichte

Weiter nach Vilseck, eine über 1000 Jahre alte Türmerstadt mit beeindruckend erhaltener mittelalterlicher Struktur. Die Burg Dagestein aus dem 12. Jahrhundert zeigt eindrucksvoll, wie organisiert die Region bereits im Mittelalter war.

Nach einer kurzen Führung folgte die wohlverdiente Mittagspause. Aufgetankt ging es weiter in den Nachmittag.

Station 04  —  USAG Bavaria / Grafenwöhr & Vilseck
Amerika in der Oberpfalz – hinter den Toren des 7th Army Training Command

Hier übernahm Franz Zeilmann – ehemaliger Pressesprecher der US-Armee und Kenner des Geländes wie kaum ein Zweiter. Was er uns in den nächsten Stunden zeigte, war eine Welt, die direkt vor unserer Haustür existiert – und die die meisten von uns bis heute nur vom Hörensagen kennen.

Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr, zusammen mit Vilseck als USAG Bavaria (United States Army Garrison Bavaria) geführt, ist mit einer Fläche von rund 234 Quadratkilometern kein einfaches Sperrgebiet – er ist eine eigenständige, pulsierende Welt. Hier trainiert das 7th Army Training Command auf über 40 hochspezialisierten Schießbahnen, von der Einzelkämpferübung mit dem Sturmgewehr bis hin zum Gefechtseinsatz schwerer Kampfpanzer. Weitläufige Manövergebiete, in denen ganze Brigaden den Ernstfall proben, und zwei eigene Flugplätze für den schnellen Truppen- und Materialtransport vervollständigen die Infrastruktur. Ein hochmodernes Simulationszentrum ermöglicht darüber hinaus virtuelle Gefechte auf militärisch-technischem Spitzenniveau.

Little America – Leben hinter dem Zaun

Wer durch die streng bewachten Tore der Tower Barracks in Grafenwöhr oder der Rose Barracks in Vilseck tritt, erlebt eine vollständige Transformation: Riesige Einkaufszentren – die sogenannte Post Exchange (PX) –, amerikanische Kinos, High Schools, Fast-Food-Ketten wie Popeyes oder Dunkin' Donuts. In der eigens errichteten Siedlung Netzaberg wohnen Tausende von Soldaten und Familien in einer Vorstadtidylle nach amerikanischem Vorbild, komplett mit eigener Kirche und Sportplätzen. Zwischendurch bringen temporäre Unterkünfte – sogenannte Camps wie Camp Aachen oder Camp Normandy – die rotierenden Einheiten unter.
Wir selbst durften eine Kaffeepause im zentralen Einkaufszentrum einlegen – ein kurzer, surrealer Ausflug in eine andere Alltagswelt. Einkaufen allerdings? Nur für Berechtigte. Für uns blieb der Kaffee und das Staunen.

Unberührt zwischen Schießbahnen

Das Paradoxe: Weil das Gelände jahrzehntelang für die Öffentlichkeit gesperrt war, hat sich hier einer der ökologisch wertvollsten Räume Europas entwickelt. Ungestört von Siedlungsdruck und Landwirtschaft wachsen seltene Tier- und Pflanzenarten auf einer Fläche, die ihnen niemand streitig macht. Besonders die Rotwildbestände gelten als herausragend – die Hirsche von Grafenwöhr sind für ihre Stattlichkeit bekannt, weil sie in den weitläufigen Sperrzonen kaum Störung kennen. Früher wurde in der Region rund um Pappenberg, Hopfenohe und Ebersberg auch intensiv Eisenerz abgebaut – ein weiteres Kapitel der Industriegeschichte, das heute unter Erde und Wald ruht.

Station 05  —  Schwarzenberg
Blick in die Sperrzone – der Turm Bleidorn auf 536 Metern

Auf dem Schwarzenberg (536 m ü. NN) steht der 21 Meter hohe Beobachtungsturm "Bleidorn" – und von hier aus öffnet sich ein Panorama, das man so schnell nicht vergisst. Direkt unter uns lag die sogenannte Impact Area, das Einschussgebiet im Zentrum des Truppenübungsplatzes. Eine Landschaft, die nach menschlichem Ermessen jederzeit in Betrieb sein könnte – und es mitunter auch ist.

Legende am Rande
Einer der Ziegelsteine des alten Turms soll eine ganz besondere Handschrift tragen: Kein Geringerer als   Elvis Presley
– damals Soldat der US-Armee – soll sich bei seinem Manöveraufenthalt 1958/59 hier verewigt haben. Der "King of Rock 'n' Roll" leistete Teile seines Militärdienstes auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Ob der Stein noch auffindbar ist? Das ist eine andere Geschichte.

Station 06  —  Orte des Gedenkens
Was übrig blieb – Kapelle, Ruine, Friedhof

Nicht alles auf dem Truppenübungsplatz ist Stahl und Schießpulver. Es gibt auch Stille. Tiefe Stille. Die Wolfschützenkapelle, die Kirchenruine Hopfenohe und der Friedhof von Haag erinnern an jene Dörfer, die in den 1930er-Jahren für die Anlage des Truppenübungsplatzes weichen mussten. Häuser, Felder, Kirchen – einfach aufgegeben, zurückgelassen, übernommen.
Wer an diesen Orten steht, spürt, dass Geschichte nicht immer in Büchern anfängt. Manchmal beginnt sie dort, wo etwas fehlt.

Ein Friedhof, auf dem niemand mehr Blumen legt. Eine Kirchenruine, in der kein Lied mehr erklingt. Und doch: eine merkwürdige Würde, die den Ort nicht verlassen hat.

Station 07  —  Das Finale
"Der Ursprung" – eine Quelle für wenige Augen

Den Abschluss bildete etwas, das nur selten auf einem Reiseprogramm steht – weil es kaum jemand zu sehen bekommt: die Quelle, die im Gebiet des Truppenübungsplatzes schlicht "Ursprung" genannt wird. Dieses Wasser ist das gleiche wie in den Heilquellen von Karlsbad und Marienbad.

Kein Rinnsal, das sich einen Weg durch die Erde sucht – sondern ein artesisch gespanntes Wasservorkommen: Wasser, das unter natürlichem geologischem Druck von tief unten an die Oberfläche tritt. Unaufgeregt, gleichmäßig, seit langer Zeit. Aufgrund der militärischen Sperrzone ist dieser Ort der breiten Öffentlichkeit verwehrt – wir gehörten an diesem Tag zu den wenigen, die ihn besuchen durften.
Es war ein stiller, beinahe kontemplativer Abschluss für einen Tag voller Eindrücke. Wasser aus der Tiefe – als hätte die Erde selbst das letzte Wort.

Was macht eine artesische Quelle besonders?
Bei einem artesisch gespannten Grundwasservorkommen liegt das Wasser zwischen zwei undurchlässigen Gesteinsschichten unter Druck. Wird dieses System an der richtigen Stelle angebohrt oder tritt es natürlich aus, steigt das Wasser ohne Pumpe eigenständig an die Oberfläche – manchmal sogar als Springquelle.

Fazit einer unvergesslichen Expedition:
Sechs Stationen, zwei Guides, unzählige neue Einblicke – und das alles vor der eigenen Haustür. Wer glaubt, seinen Landkreis zu kennen, sollte mitfahren. Die nächste Tour beweist das Gegenteil.
Ein herzliches Dankeschön an Conni Platz für die einfühlsame und kenntnisreiche Führung am Vormittag – und an Franz Zeilmann für den seltenen Einblick hinter die Tore von USAG Bavaria. Ohne Euch wäre dieser Tag nur ein Ausflug gewesen. So wurde er eine Entdeckungsreise.


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